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Seit einigen Jahren, geschätzt sieben, beschäftige ich mich nun mit der Spiritualität und mit der Frage, wie denn gelebte Spiritualität wirklich aussieht.
Der Weg hat für mich angefangen mit der klassischen ,,Love and Light“ Mentalität, in der ich mich komplett sicher war, dass Positives Denken und ZuckerwatteFlauschGetue die Welt verändern werden.

Das war so eine wertvolle Zeit, weil ich komplett in die Lichte Seite dieser Welt einsteigen konnte und mich so von Licht erfüllt und überflutet gefühlt habe und mir die Welt so bunt und schön vorkam. So leicht und liebevoll. Das ist sie auch. Aber tatsächlich nur ein Teil davon.

Diese Zeit war so wertvoll, weil sie mich mit einem Blick ausgestattet hat, der auf das Ende des Tunnels gerichtet war. Immer das Licht im Blick.

Es war im Grunde eine Vorbereitung für das, was kommen würde.

Nämlich durfte ich mich nach dieser Lichten Phase in den anderen Pol begeben. Die Dunkelheit wollte sich mir ebenso offenbaren.
Und weil es ein großer Teil meiner Seelenaufgabe hier ist, Polaritäten zu vereinen, habe ich mich natürlich auch bereiterklärt, die dunkle Seite auch kennenzulernen.

Allen voran in mir.

Die Beschäftigung mit der Schattenpolarität hat dmait angefangen, dass ich mich tief hineingestürzt habe in die Schatten unserer Welt und der Gesellschaft. Die Tatsache, dass wir einen höchst zerstörerischen Alltag leben und wir uns wie mit Scheuklappen ausgerüstet auf unseren eigenen Abgrund zubewegen.
Ein einsamer Weg, weil niemand das hören wollte was ich entdeckt habe und ich regelmäßig als verrückt oder als Verschwörungstheoretikerin abgestempelt wurde. Mittlerweile gab es sogar einen Begriff dafür. Ha!!

Diese Phase gab mir einen neuen Blick auf das Leben an sich eine Bewusstheit dafür, welche alltäglichen Handlungen ich mir aussuche, und wie ich damit mein Leben, mein Umfeld und im Endeffekt das große Ganze beeinflusse.
Meine äußeren Handlungen haben sich verändert, meine Entscheidungen und mein Lebensstil haben sich umgekrempelt.
Fleischverzicht & keine tierische Produkte mehr, Chemikalien und Fluorid gestrichen, natürliche Pflegeprodukte und die Beschäftigung mit Mineralien, ganzheitlicher Ernährung und Gesundheit wurden zu meinen größten Interessensgebieten.
Mittlerweile war ich im Bekanntenkreis die WuWu-Tante.
Ich kam recht gut damit klar, weil ich innerlich wusste, dass ich auf einem Weg bin der mehr Harmonie und Frieden bringen kann und weil ich im Grunde auf einer Mission war: Bewusstseinserweiterung.

Es kamen erweiternde Erlebnisse, Synchronizitäten, Kontakte mit Engeln und spirituellen Wesen dazu und natürlich irgendwann auch die experimentelle Drogenphase.
Alles Teil der Reise. Für viele blieb ich ein riesengroßes Rätsel.
Ich selbst nahm mich als Einzelkämpfer wahr.
Immer wieder jedoch wurden mir Menschen geschickt, die mir klar gemacht haben, dass ich nicht allein bin.

Die meisten davon waren deutlich älter als ich und haben mich bestärkt und waren großteils verwundert, wie tief ich mit meinen 19 Jahren tauchen konnte in die Mysterien dieser Welt.
Ich fühlte mich gut aber großteils recht einsam auf diesem Weg.


Die Dunkelheit hat mich vieles gelehrt im Außen.
Irgendwann war die Zeit gekommen, da sich die Dunkelheit in mir offenbaren wollte.
Es war an der Zeit, meine eigenen Schattenthemen anzuschauen und alte Zyklen abyuschließen.
Ich weiß es noch genau, als ich eines Tages in Guatemala in der Sonne lag, auf dem Rasen, in meinem eigenen Sumpf sitzend, in Tränen aufgelöst als mein Freund zu mir kam, mir ehrlich in die Augen blickte und mich Willkommen hieß zu einer Reise, die er ,,Dunkle Nacht der Seele“ nannte. Die Seelenverbindungen und Menschen, die bei mir waren haben mich so sehr getragen und wertgeschätzt, wie ich es selten erlebt hatte. Ich fühlte mich sicher. Die Reise begann.
Ich wusste nicht so ganz, was mich erwartet, gottseidank, hätte ich mich vermutlich nicht bereiterklärt diese Reise anzutreten.


Vollmond im Dezember 2019, habe ich darum gebeten, mich in die Dunkelheit fallen zu lassen und alles zu lernen, was zu lernen war.
Ich war bereit und ich wollte es.
Ich wusste, da ist etwas großes was auf mich wartet.


Und was war das was mich erwartet hat??
Eine Beziehung. Zu einem Mann der mir den Spiegel vorhalten sollte und mich tiefer in Selbsterkenntnis, Annahme und Nacktheit führen sollte.

Ich habe ihn ausgewählt und die Mondin hat mich zu ihm geführt.

Ready to rumble.

Diese Schattenarbeit hätte ich mir wirklich anders vorgestellt.
Es folgten Momente, Minuten, Tage von Gefühlen, die ich nie gefühlt hatte. Massive unterdrückte Wut, Hilflosigkeit, Minderwertigkeit, Schuld und Scham und allen voran das Gefühl, ich löse mich auf in dieser endlosen Arbeit mit meinen inneren Anteilen.
Und das ganze mit einem Mann, den ich liebe und der zugleich der Spiegel für all dieses Chaos in mir ist und gleichzeitig die Projektionsfläche für all meine unverdauten Emotionen und Traumata.
Es war schrecklich. Haha. Und es hat von mir gefordert, dass ich ehrlich zu mir bin und ehrlich mit ihm kommuniziere.
Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich davonlaufen wollte.

Weißt du, was mir all das gebracht hat?
Es hat mich meinen inneren Aspekten so nahe gebracht, dass ich mich neu kennengelernt habe und gelernt habe, mich als multidimensionales, tief fühlendes und fragmentiertes Wesen wahrzunehmen.
Es hat mir beigebracht, in mir zu schauen bevor ich die Antwort im Außen suche.
Es hat mich auf einen Weg gebracht, der mich tief verletzlich zeigt und der wieder einmal von großer Einsamkeit geprägt war.
Ich wurde oft als gestört oder psychisch krank angesehen.
In mir wusste ich, es ist nicht so.

Ich bin so tief in meinen eigenen und in kollektive Schatten eingetaucht, dass es Menschen, die sich selbst nicht sehen wollten, neben mir nicht ausgehalten haben.

Ich wurde beschimpft, gemieden und meine Realität wurde verneint.

Und ich wusste trotz allem, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich habe einige Fehler gemacht und habe Menschen verletzt weil ich es in dem Moment nicht besser konnte.

Ich wollte sterben und ich wollte zurück in die flauschige Scheinwelt.


Diese Dunkle Nacht der Seele hat etwa zwei Jahre angedauert bis sie ihren Höhepunkt erreicht hat Anfang 2021.
Bis ich gelernt habe, in meinen Körper zurückzufinden.
Bis ich meine Innere Führung wieder angenommen habe und bis ich realisiert habe, dass diese ganze innere Arbeit mich vorbereitet hat darauf, meinen Seelenauftrag auszuleben.


Jetzt habe ich realisiert, dass das vollständige ausleben meiner inneren Stimmen nicht nötig ist, sondern dass ich mich nur achtsam wahrnehmen brauche und mich von innen heraus verstehen darf.
Dass ich meine Hochsensibilität nicht länger als Bürde erleben brauche sondern sie als Geschenk erlebe.
Wow. Keiner versteht diese Reise außer ich selber.

Und ich habe diese Reise noch nie so komplett niedergeschrieben wie hier.

Ich weiß, dass sie wertvoll ist.
Aus einem riesengroßen Grund:
Wenn ich Menschen jetzt begegne, sehe ich sie ganz.
Ich sehe ihren Schmerz, ich sehe ihre Verlorenheit, ich sehe ihre Freude und ich sehe ihr Potenzial.
Ich spüre ihre Trauer und ich fühle ihren Schmerz.
Und ich kann sie ganz lieben, weil ich all das auch in mir spüre.
Ich weiß, dass keiner alleine ist, weil wir alle die selben Gefühle in uns tragen. Ich weiß, dass ich meine Inkarnation weise nutze, wenn ich einem einzigen Menschen das Gefühl geben kann, nicht alleine zu sein.


Mittlerweile weiß ich, wozu das alles gut war.
Das Drama, die Verzweiflung, die Freudensprünge, die Extreme, das tief tauchen und hoch fliegen.

Ich bin hier um die Polarität zu erfahren und sie zu vereinen.

Brücken zu bauen.
Zwischen Dir und Mir.

Hell und Dunkel.
Freude und Trauer.


Und das alles bringt mich an den Punkt und an die Frage:
Wie sieht gelebte Spiritualität für mich aus?

Gelebte Spiritualtität bedeutet für mich, in allem das göttliche zu sehen. In abgrundtiefer Scham sowie in himmelhoher Freude.
In einem Mörder sowie einem Heiligen.

Schamlose Ehrlichkeit darüber, dass wir weder komplett GUT sind noch komplett SCHLECHT, sondern dass wir alle beide Polaritäten verkörpern.
Gelebte Spiritualität setzt sich für mich gleich mit gelebter Menschlichkeit.
Komplett Mensch zu sein, komplett verkörpert zu sein ist für mich die größte spirituelle Erfahrung.
Dir in die Augen zu schauen und Mich in Dir zu sehen, ist die größte Spiritualität die es für mich hier zu erfahren gibt.


Und deshalb bin ich so wahnsinnig dankbar für alle Etappen, die es hierhin gebraucht hat und für die, die noch kommen werden.


Und für alle Menschen, die ich auf diesem Weg verletzt habe, für die Arten und Weisen in denen ich mich selbst verletzt habe, möchte ich ein Gebet anbieten.
Ho’opono’pono
Es tut Mir leid

Bitte vergib Mir

Ich danke Dir

Ich liebe Dich


Mhhh, dieser Weg der Entfaltung hört noch lange nicht auf.
Er fängt erst an.

Und ich bin bereit für alle weiteren Etappen die ich noch erleben darf.


Danke

Stephanie